Meine Philosophie

1993

Der Anfang

Im Alter von etwa 4 Jahren brachte mich meine Mutter zum Kindergarten. Wir liefen die Straße hinunter in dieser kleinen Stadt, Quickborn, und es war sommerlich. In einem parkenden Auto, welchem wir entgegen gingen, saß ein Mann am Lenker der schaute mies drein und ich dachte mir “Warum sind soviele Menschen so mies drauf, und wie kann ich das ändern?”

Dieser Gedanke hat mich lange Zeit begleitet, es ist die Frage eines Kindes, dass die Welt noch nicht kennt, aber bereits versteht, dass irgendwas falsch läuft.

Ich war gespannt darauf, was ich alles erleben würde in diesem Leben. Ich war aber auch vorsichtig, denn ich spürte, dass etwas nicht passte. Ich beschloss den innersten und mir wichtigsten Teil meiner Selbst zu schützen und mich nicht einfach von allem und jeden beeinflussen zu lassen.

In den folgenden Jahren würde ich die Scheidung meiner Eltern miterleben und ein mehr oder weniger ruhiges Leben in dieser Vorstadt von Hamburg führen.

2003

Evolution

Dieses Gefühl kam mir in einem Alter von vielleicht 14 Jahren. Der Gedanke “Ich lauf schon mal vor, ihr werdet mich später schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen” beschreibt dieses Gefühl ganz gut.
Als würde ich auf einem Felsen stehen und hinunter ins Meer springen. Mit einem weiten Sprung ins Nichts dazwischen, die Arme ausgestreckt zu einem Köpfer, die Beine starr nach hinten. Kameraperspektive: von unten nach oben, man sieht den blauen Himmel und die Sonnenstrahlen zeichnen die Konturen des Körpers hart ab, wie er in der Schwebe des Momentes fest steckt.

Was ich damit meinte war Evolution.
Wir alle kommen irgendwo her, gemeinschaftlich. Wir sind auf einer Jahrtausende Jahre währende Reise, gemeinschaftlich. Wir alle werden das was uns ausmacht weiterentwickeln, gemeinschaftlich. 

Der Sprung ins Nichts, beschreibt wie ich den Weg dieser Reise schon vorweglaufe. Als würde die Menschheit eine Reisegruppe auf einem Spaziergang sein, und ich ein Junge der den Weg sieht und schon mal ein paar Tagesmärsche vorläuft. Wenn ich dann unterwegs Hindernisse für die gemeinschaftliche Reisegruppe entdecke, kann ich zurücklaufen und davon erzählen, oder mit Anderen zusammen das Hindernis beseitigen.

Evolution bedeutet, dass wir entweder alle gemeinsam die Reise schaffen, oder alle gemeinsam untergehen. Es ist “survival of the fittest”. Nicht der fittest Einzelkämpfer, sondern die an ihre Umwelt anpassungsfähigste Gruppe. Entweder schaffen es alle, oder keiner. Die meisten scheinen das zu vergessen, scheinen zu glauben, dass ihr individueller Körper oder Geist das einzige wäre, für das es sich zu leben und zu sterben lohnt. 

Ich bin da lieber sorgfältig. Ich will mich nicht einfach nur dem Strom des Flusses hingeben, egal wie stark er ist. Es gibt Dinge die mir auffallen, und die mir Warnsignale sind dafür, dass etwas falsch läuft in dieser Welt in die ich hineingeworfen wurde. Zwar sind die Menschen hier oft Einzelkämpfer, es scheint mehr ein Gegeneinander und ein sich-Behaupten zu sein, anstatt ein gemeinsames Miteinander des Wir-Schaffen-Das, aber sie scheinen ebenso oft auch unglücklich zu sein. Sie schauen griesgrämig in der Gegend umher, manchmal schreien sie sich sogar an. 

Auf so ein Spiel will ich mich doch lieber nicht einlassen. Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen frustrierten Menschen und der Ellenbogengesellschaft. Wie als wenn die Leute irgendwann zu einem Gedanken hingebracht werden, wie “Ich muss egoistisch sein, denn alle sind es! Ansonsten habe ich einen Nachteil.”

Und dann kappen sie sich ab von anderen Menschen, sie trennen sich von Gefühlen des Miteinanders, weil sie den Glauben verloren haben, dass ihnen irgendjemand etwas aus freien Stücken geben würde. 

Ich weiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was es ist, aber es fühlt sich an, wie als würden wir etwas von uns selber aufgeben. Etwas, dass wir eigentlich gut gebrauchen können. Und stattdessen kriegen wir eine verhärtete Sichtweise.

2005

Bewusstsein

Woher kommen diese Gedanken? Zwangsgedanken nenne ich sie, Gedanken die kommen und über die ich keine Kontrolle haben. Sie kommen zusammen mit negativen Gefühlen, auf die ich keinen Bock habe. 

Ich bin 16 und wohne inzwischen in Hamburg. Ich gehe auf das Gymnasium und finde Anschluss an diverse Menschen in meiner Klasse. Anders als in der Vorstadt finde ich hier unterschiedlichere Menschen. Ich fühle mich wohl, zwar ist das Bildungssystem nicht wirklich überzeugend, aber mein Leben ist gut. 

Bildung wird in dieser Gesellschaft mehr als Verblödung verstanden, endlos lange wird man gezwungen zuzuhören und einem wird erzählt, was man auswendig lernen soll, damit man irgendwas richtig macht. Kreativität und Neugier wurden nicht wirklich gefördert, also muss man sich selber fördern. Ich denke also nach und ich beschließe solange nachzudenken, bis ich auf alle Fragen die mir in den Kopf kommen eine Antwort finde. Dies sollte 10 Jahre dauern. Angefangen mit der Frage nach dem Ursprung meiner Gedanken und wie ich diese kontrollieren kann.

Ich finde nach und nach raus, dass es vor allem negative Gedanken sind, die immer wieder kommen. Dass es Wunden sind, die geheilt werden wollen und sich deshalb durch die Gedanken bemerktbar machen.

Was ist der Trick? Ich finde als einfaches Mittel das positive konditionieren:

Etwas Negatives wird erinnert in Form eines Gedanken. Worum geht es hierbei? Ist es eine Unterdrückung? Ist es etwas schambehaftetes? Wie auch immer die Geschichte hierbei ist, der Punkt ist, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt. Wenn ich unterdrückt wurde, dann kann ich sagen: Ja, sowas gibt es, aber ich werde diese Erfahrung als Anlass nehmen um mich, und jeden Anderen, gegen Unterdrückung zu verteidigen. Ich entscheide mich ein Krieger des Lichts zu sein: Alles Negative was passiert, wird mich dazu motivieren dem Positiven zu dienen. 

Was in meinem Gehirn passiert ist, dass ich den Zwangsgedanken nun weiter assoziiere mit etwas Positiven. Der Gedanke endet dann nicht mehr mit einem schlechten Gefühl an eine Erinnerung, sondern er endet damit, dass ich die Welt besser machen werde.

Und so beginnt eine Reise durch alle Fragen die ich finden kann. Ich lese viele Sachbücher, am liebsten Psychoanalyse und Philosophie. Der Anfang ist immer eine Frage, wie: was ist der Sinn des Lebens? Und das Ende ist immer eine passende Antwort. Oftmals passen die Antworten nicht in mein Weltbild. Ich merke, dass mir vieles beigebracht wurde, was nicht zu den Antworten passt, die ich selber finde. 

Es ist mit viel Schmerz verbunden mir die Welt neu zu erklären und mich verfolgt dieser Weltschmerz viele Jahre – bis ich es schaffe aufzuhören die Welt zu bemitleiden, es schaffe die Glaubenssätze meiner Erziehung zu ersetzen mit Antworten die nicht in einem Widerspruch zu dem stehen, was ich tagtäglich sehe.